Digitalisierung: Wissen wir, was wir tun?

Mittwoch, 18. April 2018

Marc Elsbergs Roman „ZERO – sie wissen was Du tust“ ist in Zeiten des Datenmissbrauchs aktueller denn je. Deshalb lud die BAKS den Bestseller-Autor gemeinsam mit dem Verein für Pankow zur Schönhauser Lesung ein und sprach mit Elsberg über die Folgen der Digitalisierung.

Zahlreiche Menschen sitzen auf Stuhlreihen im Historischen Saal der BAKS. Im Fluchtpunkt des Bildes steht ein Mann in weißem Hemd auf der Bühe und liest aus einem Buch.

Der Romanautor ging zwischen den Passagen seines Buchs eingehend auf aktuelle Fragen zu Digitalisierung, Datenschutz und Persönlichkeitsrechten im Internet ein. Foto: BAKS/Löwe

Eine Internetplattform, die von Millionen Nutzern Daten sammelt, analysiert und ihren Kunden ein besseres Leben verspricht: Im April 2018 erinnert das sofort an den Datenskandal bei Facebook im Zusammenhang mit der umstrittenen Analysefirma Cambridge Analytica. Die Leser des Bestseller-Autors Marc Elsberg dürfte dieser Fall hingegen kaum überrascht haben. In seinem Buch „Zero – Sie wissen, was du tust“ entwirft der gebürtige Wiener das düstere Szenario einer Welt voller Smartphones, Kameras und Datenbrillen, in der mächtige Datenkonzerne das Leben ihrer Nutzer bestimmen und lenken.

Einen Nerv getroffen

Da Bild zeigt das Cover von Marc Elsbergs Buch \"ZERO\"; der Titel ist in blauer Schrift auf schwarzem Grund wiedergegeben.

Marc Elsbergs Roman nahm bereits 2014 zahlreiche Aspekte der gegenwärtigen Debatte um Datenschutz um Internet voraus.
Foto: Verlag Blanvalet.

Auch wenn das Buch bereits vor vier Jahren erschienen ist, könnte sein Thema kaum aktueller sein. Entsprechend groß war der Andrang zur Autorenlesung am 16. April im Historischen Saal der BAKS. Vor über 150 Gästen trug Elsberg Passagen aus seinem Buch vor und kam dazwischen immer wieder auf die Realität zu sprechen. Mit seinen aktuellen Themenbezügen ging der Autor deutlich über das klassische Format einer Autorenlesung hinaus. Seine Schilderungen, wie treffsicher sich individuelles Verhalten aus der Nutzung von Internetanwendungen vorhersagen lässt oder welchen Einfluss Bewertungsportale auf die persönliche Lebensplanung haben können, trafen offensichtlich einen Nerv beim Publikum.

Elsbergs Rat: Kritisch bleiben!

Entsprechend viele Fragen richteten sich in der anschließenden Diskussionsrunde an den Autor. Elsberg zeigte pointiert die Gefahren auf, die sich aus der einer lückenlosen Überwachung durch die „Datenkrake“ Smartphone und den damit verbundenen Apps ergeben. Während beispielsweise Volkszählungen in der Vergangenheit von heftigen Protesten begleitet wurden, sei es bemerkenswert, wie aktiv die Nutzer heutzutage von selbst ihre Daten preisgäben, so Elsberg. Zudem würden viele Menschen in eine Bestätigungsfalle geraten, wenn Sie in ihrer „Filterblase“ nur noch Informationen erhalten, die ihre eigene Meinung bestätigen. Sein Appell ans Publikum: „Kritisch bleiben!“ - auch wenn es dafür zuweilen nötig sei, die eigene Komfortzone zu verlassen.

Den Blick von außen einbeziehen

Es müsse ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, welche Risiken und Chancen das digitale Zeitalter bietet, so Elsbergs Plädoyer. Dazu möchte die BAKS beitragen. „Wir brauchen den Blick von außen“ sagte Elmar Lillpopp, der als Leiter des Bereichs Öffentlicher Diskurs und Kommunikation durch den Abend führte. „Denn dieser Blick ist das beste Mittel gegen die Bestätigungsfalle.“ Das gelte vor allem für die Weiterbildung von Fach- und Führungskräften an der Bundesakademie. So nahm auch das laufende Kernseminar für Sicherheitspolitik 2018 an der Autorenlesung teil. „Wir laden dazu ein, kritisch nachzufragen und die eigene Position immer wieder zu überdenken. Das ist der Geist unserer Akademie“, fasste Lillpopp zusammen.

Autor: Christian Weber