Sicherheitspolitische Fachjournals: Sag, wie hältst Du es mit der Praxis?

Mittwoch, 12. April 2017

Bisweilen wird beklagt, dass es den außen- und sicherheitspolitischen Fachzeitschriften in Deutschland an Relevanz für die politische Praxis mangele. Die Redaktion der BAKS wirft aus diesem Anlass einen Blick auf die deutsche Zeitschriftenlandschaft.

Von links hinten nach rechts vorn füllt ein nahezu wandhohes altes Bibliotheksregal voller Bücher das Bild aus; davor stehen Sessel.

Das Lektüreangebot ist durchaus breit - wie aber steht es um die Praxisrelevanz außen- und sicherheitspolitischer Fachzeitschriften? (Symbolbild) Foto: Andrew Moore/flickr/CC BY-SA 2.0

Nachdem die Redaktion der BAKS Ende 2016 einige Lese- und Hörtipps für Zwischendurch betrachtet hat, werfen wir nun einen Blick auf die außen- und sicherheitspolitische Fachzeitschriften in Deutschland. Bisweilen wird beklagt, dass es diesen an Bezug zur politischen Praxis mangele. Michael Rühle, Chef der Abteilung Energiesicherheit bei der NATO etwa sah die deutsche Politikwissenschaft kürzlich „Hilflos im Elfenbeinturm“ wenn es um etwaige Beratungsleistungen für Entscheidungsträger gehe. Wie also ist es um die deutsche Fachzeitschriftenlandschaft zur Außen- und Sicherheitspolitik bestellt?

Ein Blick in die außen- und sicherheitspolitische Zeitschriftenlandschaft

Deutlich am wissenschaftlichen Ende des Spektrums bewegt sich die seit 1994 von der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft herausgegebene Zeitschrift für Internationale Beziehungen (ZIB). Hier liegt das Hauptaugenmerk auf der theoriegeleiteten und methodischen Analyse der internationalen Beziehungen, wobei auch innerstaatliche Perspektiven einfließen. Die ZIB ist nah am Puls der Forschung und nimmt damit eine relativ große Distanz zur politischen Praxis ein.

Auch die Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik (ZfAS) ist ein wissenschaftliches Fachjournal, positioniert sich aber einige Schritte näher an der politischen Praxis. So gibt es mit den Analysen eine entsprechende Beitragskategorie, in welcher regelmäßig Stimmen aus der Praxis zu Wort kommen. Die seit 2008 erscheinende ZfAS nimmt demnach sowohl die theoretische als auch die empirische Dimension der Außen- und Sicherheitspolitik in den Blick.

Das seit 1983 erscheinende und 2004 neu konzipierte Journal Sicherheit und Frieden (S+F) bewegt sich noch einen Schritt weiter in Richtung der Praxisdebatte, wie schon an den wesentlich kürzeren Beiträgen deutlich wird. S+F publiziert politikfeldübergreifende Analysen mit akademischem Anspruch, bezieht dabei wie der Name nahelegt, die Perspektiven der Friedens-forschung ein, und lässt ebenfalls regelmäßig Praktikerinnen und Praktiker zu Wort kommen.

Ebenfalls praxisnäher und zugleich deutlich journalistisch ausgerichtet ist die Zeitschrift Internationale Politik (IP), welche seit 1995 von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik herausgegeben wird. Die inhaltliche Bandbreite der IP reicht von klassischen außen- sicherheitspolitischen Fragen über europapolitische Themen bis hin zu Regionalanalysen.

Erst seit Anfang 2017 erscheint das Journal SIRIUS – Zeitschrift für Strategische Analysen.
SIRIUS legt den Fokus gezielt auf die strategischen Dimensionen deutscher, europäischer und internationaler Politik und erhebt damit ausdrücklich den Anspruch auf Politikrelevanz.

Ein relativ junger Markt mit Luft nach oben

Dieser – freilich unvollständige – Blick auf den deutschsprachigen Fachzeitschriftenmarkt zeigt, dass es hier durchaus klare Bezugnahmen und auch wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für die außen- und sicherheitspolitische Praxis gibt – wenngleich zumeist unter anderem Namen und mit weniger ausdrücklicher „Policy Relevance“, als dies etwa im angloamerikanischen Raum unter den Etiketten der „Strategic Studies“ oder der „International Security Studies“ geschieht. Deutlich wird auch, dass bereits viele der hier genannten Zeitschriften im Vergleich zu ihren Pendants im Ausland relativ jung sind – der Großteil entstand erst in den Neunziger- und Zweitausenderjahren und damit im Zuge einer gerade für Deutschland substantiell veränderten Weltlage. Es bleibt demnach abzuwarten, wie sich das Angebot gerade unter dem Eindruck einer abermals gewachsenen Verantwortungsübernahme der Bundesrepublik in der internationalen Politik entwickeln wird.

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Autoren: Redaktion