Lesetipp: Wie tickt der "Islamische Staat"?

Dienstag, 19. Januar 2016

Bücherregale in einer Buchhandlung

Zunehmend in Sachbüchern analysiert: der islamistische Terrorismus. Foto: Marcus Mohr

Spätestens seit den Anschlägen auf "Charlie Hebdo" in Paris vor einem Jahr wird in der Öffentlichkeit stark über die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) diskutiert. Der Bürgerkrieg in Syrien, der daraus resultierende Flüchtlingsstrom und Terroranschläge in europäischen Metropolen betreffen die Bevölkerung unmittelbar.

Das Bedürfnis nach Information und Austausch ist deutlich gewachsen. Dementsprechend zieht das Thema "Islamischer Staat" immer größere Kreise - auch in Wissenschaft, Politik und Medien. Dies schlägt sich in interessanten Publikationen nieder, zu denen in Leitmedien bereits - überwiegend positive - Rezensionen erschienen sind. Eine kleine Übersicht:

"Die neuen Dschihadisten"

Der Deutschlandfunk beschäftigt sich mit Peter R. Neumanns "Die neuen Dschihadisten". Die Rezensentin räumt der These des Extremismusforschers vom Londoner King’s College, die jüngsten Anschläge in Europa würden kein Einzelfall bleiben, einen prominenten Platz ein.

Sein Werk spreche dem IS jedoch sein "Alleinstellungsmerkmal" ab, etwas historisch Außergewöhnliches zu sein. Terrorismus trete in Zyklen auf, die je eine Generation andauerten: Anarchismus, Antikolonialismus, Neue Linke, die "Religiöse Welle". Zugleich stelle der "IS" für Neumann auch ein europäisches Problem dar: Schließlich hätten sich die westlichen Kämpfer in ihren Heimatländern radikalisiert.

Alles in allem bescheinigt die Buchkritikerin, dass Neumann das Phänomen IS äußerst informativ aufbereite und es so trotz der Komplexität des Themas eine breite Leserschaft anspreche: "Das Buch 'Die neuen Dschihadisten' ist anders – überzeugend anders", so die Rezensentin.

"Wer den Wind sät"

Der Buchkritiker vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) urteilt über Michael Lüders "Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet", dass das Buch anders als der Titel vermuten lasse, eben keine Generalabrechnung mit dem Westen sei. Von den frühen 1950er Jahren an bis in die Gegenwart illustriere der Publizist und Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft sehr differenziert die Folgen westlicher Politik für die arabisch-islamische Welt. Er zeichne so den "Krisenbogen" des Nahen und Mittleren Ostens nach: "Abschnitt für Abschnitt, frei von unterschwelligen Bedrohungsgeraune, übersichtlich, hintergründig, informativ", wie es in der Rezension heißt.

Der Hessische Rundfunk (HR) pflichtet in seiner Buchbesprechung bei: "Michael Lüders hat ein kenntnisreiches, pointiertes und packendes Buch geschrieben. Eins, das fehlte." Die USA hätten laut Lüders mit der Invasion des Irak und der Auflösung von Saddam Husseins Sicherheitsapparat einerseits eine Büchse der Pandora geöffnet, andererseits unterschieden sich die Ideale des IS kaum von der Islamauslegung Saudi-Arabiens, das als wichtiger Partner des Westen gilt.

"Die schwarze Macht"

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung betrachtet Christoph Reuters Werk "Die schwarze Macht" und legt dabei den Fokus auf den Aufstieg des IS. Ausführlich und auf "einen immensen Fundus an Material" stützend, beschreibe der erfahrene Kriegsreporter die im Geheimen und von den alten Sicherheitskadern des Saddam Hussein Regimes sehr pragmatisch vorangetriebene Entstehung der Terrormiliz. In der Besprechung des Buches in der "Süddeutschen Zeitung" wird die Analyse der IS-Genese, die der Autor Reuters vornimmt, auch knapp als "Strategie statt göttlicher Mission" zusammengefasst.

Autor: Johannes Wiggen