Deutschland spielt im Umgang mit China zentrale Rolle

Donnerstag, 11. Februar 2016

Europas Fokus ist aktuell auf akute Krisen gerichtet. Aber es dürfen auch langfristige Trends nicht vergessen werden. Deshalb beschäftigt sich das aktuelle Führungskräfteseminar mit der Rolle Chinas.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird von Li Keqiang, Ministerpräsident Chinas, mit militärischen Ehren vor der großen Halle des Volkes, empfangen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist regelmäßiger Gast in Beijing. Hier wird sie von Premier
Li Keqiang am 29. Oktober 2015 empfangen. Foto: Bundesregierung/Jesco Denzel

„China ist heute zwar noch kein Gamechanger. Es wird jedoch in den nächsten Jahren die Welt mehr verändern als die Krisen, die uns derzeit in Atem halten“, sagte einer der Experten, der im aktuellen Führungskräfteseminar den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Lage im asiatisch-pazifischen Raum näher brachte.

Insgesamt 19 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft beschäftigen sich derzeit mit der Frage, wie sich die Rolle der Volksrepublik in den nächsten Jahren regional und global verändern wird. Damit sie sich ein eigenes Bild über die Entwicklungsmöglichkeiten in der Region machen können, diskutieren sie dazu mit namhaften Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Den Auftakt machte der Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, Karl-Heinz Kamp. „Die Welt ist im Umbruch“, erklärte er. In den letzten Jahren habe sich gezeigt, dass sich die westlich geprägte Weltordnung nicht durchsetzen könne. „Chinas Aufstieg und vor allem die Reaktionen der USA und Japans werden in den nächsten Jahren die Welt verändern.“ Unter diesen Bedingungen müsse sich Deutschland schon heute dringend mit Strategieoptionen zum Umgang mit China befassen. Denn die Bundesrepublik spiele hier eine zentrale Rolle, so die einhellige Meinung der Experten.

Vom strategischen Umgang mit dem Reich der Mitte

Grundlage für einen strategischen Umgang mit China ist es, eigene Interessen in der Region zu identifizieren. Die Experten sind sich dabei einig: Die EU und Deutschland wollen eine stabile asiatisch-pazifische Region mit einer florierenden Wirtschaft. Eine mögliche Blockbildung gegen die Volksrepublik sei nicht im europäischen Interesse.

Vielmehr müsse das Land in die internationale Ordnung integriert werden. „China muss auch seine eigenen Vorstellungen in das internationale System einbringen können“, mahnte einer der Experten. So führe eine Integration Chinas zwangsläufig zur Veränderung des etablierten Systems.

Das größte Hindernis auf dem Weg zu einer größeren Stabilität in der Region ist das mangelnde Vertrauen der Anrainerstaaten untereinander. Außerdem fehle meist die Fähigkeit, sich in die Wahrnehmung der anderen Staaten hineinzuversetzen. Welche Möglichkeiten es gibt, diese Hindernisse zu beseitigen, werden die Seminarteilnehmer in der kommenden Woche bei ihrem Besuch in der Region erörtern können.

Das Führungskräfteseminar ist zentraler Bestandteil der Arbeit der Bundesakademie. Es soll Führungskräften aus Bund und Ländern, Wirtschaft und Gesellschaft helfen, ein aktuelles außen- und sicherheitspolitisches Thema tiefer zu durchdringen und damit für die eigene Arbeit wichtige neue Informationen zu gewinnen.

Autor: Falk Tettweiler