Vom Weltraum nach Neukölln: Kernseminar 2019 abgeschlossen

Donnerstag, 27. Juni 2019

Mit einem Festakt im Historischen Saal der BAKS endete das Kernseminar für Sicherheitspolitik 2019. Die Festansprache hielt die Dr. Franziska Brantner, MdB (Bündnis 90/Die Grünen).

Zahlreiche geschäftliche gekleidete Menschen stehen und sitzen vor einem Schlossgebäude in einem Park.

Das Kernseminar 2019 vor dem Schloss Schönhausen in Berlin. Foto: BAKS/Sommerfeld

„Sind wir bereit, einen Preis für Sicherheit zu zahlen?“ gab Dr. Franziska Brantner den frischgebackenen Absolventinnen und Absolventen des Kernseminars für Sicherheitspolitik 2019 als zentrale Frage mit auf den Weg. Und die Sprecherin für Europapolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen meinte das mitnichten zum Preis von Freiheit – sondern gemessen an Geld und Arbeit. In ihrer Festansprache machte die Abgeordnete des Deutschen Bundestages eine ganze Reihe von Feldern aus, an denen sie die Frage nach diesem berührt sah.

Rückzug des Staates schürt gesellschaftliche Ängste

Dr. Franziska Brantner steht an einem Pult mit dem Bundesadler darauf und spricht in ein Mikrofon; im Hintergrund stehen die Flaggen der EU und Finnlands.

Dr. Franziska Brantner, MdB spannte in ihrer Festrede einen sicherheitspolitischen Bogen
von der Digitalisierung bis zum Brexit.
Foto: BAKS/Lindemann

Ganz im Sinne des ressortübergreifenden Ansatzes der BAKS reichten diese Felder weit über Polizei, Streitkräfte und Nachrichtendienste hinaus. So plädierte Brantner dafür, die wirtschaftliche Dimension von Sicherheit stärker in den Blick zu nehmen. Am Beispiel des 5G-Netzausbaus blickte sie kritisch auf die digitale Marktmacht chinesischer Unternehmen und sah „ein strategisches Interesse, europäische Anbieter zu erhalten“ – auch wenn das mehr Geld koste.

Auch die innergesellschaftliche Dimension gelte es Brantner zufolge, in Zeiten von Polarisierung und Populismus stärker in den Blick zu nehmen. Sie verwies auf Befunde aus Großbritannien, nach denen gerade dort gesellschaftliche Ängste und die Zustimmung zum Brexit am höchsten ausgefallen seien, wo im Laufe des Jahrzehnts Gerichte geschlossen worden waren – „auch das ist eine Frage der Sicherheit“, so die Abgeordnete. Im komplexen Wechselspiel zwischen äußerer und innerer Sicherheit sei „ein Rückzug des Staats aus der Fläche“ besonders problematisch.

20.000 Kilometer und 250 Referenten

Victoria Wieninger steht an einem Pult mit dem Bundesadler darauf und spricht in ein Mikrofon; im Hintergrund stehen die Flaggen der EU und Finnlands.

"Vom Weltraum bis Neukölln" umriss Seminarsprecherin Victoria Wieninger die inhaltliche Spannbreite des Kernseminars.
Foto: BAKS/Lindemann

Die Sprecherin und der Sprecher des Kernseminars 2019, Victoria Wieninger und Sven Kahle, sahen in ihren Abschlussreden die Anerkennung von Komplexität und die daraus folgende Notwendigkeit der Vernetzung als besonders wichtig an. Das Seminar habe „globale und lokale Herausforderungen“ nachvollziehbar gemacht – „vom Weltraum bis Berlin-Neukölln“, so Wieninger. „Wir sind 20.000 Kilometer durch die Welt gereist und haben über 250 Referenten gehört“, fasste Kahle das Programm in Zahlen zusammen. Sein Fazit: „Ohne Vernetzung geht es nicht“, und „wir brauchen Mut, was die Sicherheitspolitik angeht“ – zuweilen auch um Vorbehalte abzubauen.

Auch BAKS-Vizepräsident Wolfgang Rudischhauser griff diesen Gedanken in seiner Rede zum Abschluss des Kernseminars auf: „Sie haben sich mit dem beschäftigt, was uns sicherheitspolitisch bewegt“, sagte der Vizepräsident. „Betrachten Sie dies als Chance aber auch als Verpflichtung“, das Gelernte „in die Community zu tragen“, so Rudischhauser. Nach Abschluss des Seminars werden die 19 Absolventinnen und Absolventin in ihre Behörden, Unternehmen und Organisationen zurückkehren, wo viele von ihnen neue Stellen antreten werden.

Zum Abschluss eine Beförderung

Sven Kahle steht mit einer Urkunde in den Händen zwischen Dr. Franziska Brantner und Wolfgang Rudischhauser

Seminarsprecher Sven Kahle (Mitte) mit Dr. Franziska Brantner, MdB und BAKS-Vizepräsident Wolfgang Rudischhauser.
Foto: BAKS/Lindemann

Ein ganz besonderer Termin war der feierliche Abschluss auch für Major Erik Larsen, der als Offizier der US-Armee am Kernseminar teilgenommen hatte. Im Rahmen des Festakts wurde Larsen zum Lieutenant Colonel befördert. „Wir freuen uns sehr, dafür den würdigen Rahmen bieten zu können“, sage BAKS-Vizepräsident Rudischhauser. Es sei eine „gute Tradition an der BAKS, dass Vertreter von Deutschlands Freunden und Verbündeten an unseren Seminaren teilnehmen, um gegenseitiges Verständnis und Austausch zu fördern“, so Rudischhauser weiter. Larson wird künftig in Deutschland Dienst tun und dankte der BAKS und dem Seminar herzlich für die gewonnenen Eindrücke und das freundschaftliche Miteinander in der Gruppe.

Das Kernseminar ist die vielseitigste sicherheitspolitische Weiterbildung in Deutschland im Auftrag der Bundesregierung. Es vermittelt einen umfassenden und vernetzten Sicherheitsbegriff, vertieft die Kenntnis globaler Zusammenhänge und verschafft seinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein ressortübergreifendes Verständnis von Sicherheit auf strategischer Ebene. Nicht zuletzt bereitet das Seminar jüngere Führungskräfte auf Verwendungen als Entscheidungsträger im nationalen und internationalen Umfeld vor. Mehr Informationen zum Kernseminar der BAKS finden Sie hier.

Autoren: Redaktion