Premiere: Führungskräfte und Nachwuchs über Asiens Weg

Dienstag, 16. Februar 2016

Wie verändert der Aufstieg der Volksrepublik China den Status quo in Asien? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Deutschland und Europa? Darüber diskutierten am 11. Februar die Teilnehmer des BAKS-Führungskräfteseminars mit dem Arbeitskreis Junge Sicherheitspolitiker im Katholischen Militärbischofsamt in Berlin.

Skyline des Stadtbezirks Pudong, Schanghai

Sinnbild des chinesischen Wachstums: Skyline des Pudong-Bezirks der Megacity Schanghai.
Foto: J. Patrick Fischer/CC BY-SA 3.0

Sebastian Feyock (DGAP), Dr. Gerlinde Groitl (Universität Regensburg/LSE IDEAS London) und Carsten Kalla (Universität Bonn) aus den Reihen des Arbeitskreise skizzierten drei Entwicklungsszenarien: Asien könnte sich erstens langfristig zu einer tief integrierten Region nach dem Vorbild der EU wandeln; möglich sei aber zweitens ebenso die Entwicklung zu einer instabilen und von Machtrivalitäten geprägten Weltgegend. Sollten sich diese Rivalitäten als nicht bearbeitbar erweisen, könnten sie zu einem neuen „Kalten Krieg“ zwischen den USA und China führen. Die Volksrepublik könnte allerdings drittens auch als regionaler Hegemon Asien dominieren und ein Tributsystem nach historischem Vorbild umsetzen.

Diskussionspremiere zwischen Führungskräfteseminar und Arbeitskreis Junge Sicherheitspolitiker

In der darauffolgenden Diskussion zeichnete sich ab, dass eine tiefe Integration Asiens mit funktionierenden Mechanismen zum Interessenausgleich und zur Streitschlichtung für Deutschland zwar wünschenswert, aber in absehbarer Zeit nicht zu erwarten sei. Zu tief säßen unbearbeitete Konflikte und zu schwer wiege Chinas wirtschaftliches und politisches Gewicht in der Region. Die Trends zeigten derzeit vielmehr in Richtung eines von Machtrivalitäten mit hohem Eskalationspotenzial gezeichneten Asiens und somit gegen Deutschlands Interessen an wirtschaftlicher Zusammenarbeit und internationalen Ordnungsmechanismen. Während klar sei, dass Deutschland und Europa nur begrenzten Einfluss auf sicherheitspolitische Dynamiken in Asienhätten, dürfte zugleich die Bindekraft der Wirtschaft nicht unterschätzt werden. Ferner seien alle Möglichkeiten, China weiter einzubinden in einer gesamteuropäischen Anstrengung zu nutzen.

Oberst Peter Härle, Leiter des Führungskräfteseminars, fasste die zentralen Ergebnisse der Diskussion zusammen: Erstens seien konstruktive Beiträge Chinas zur internationalen Ordnung anzuerkennen und aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig müssten aber zweitens die eigenen Interessen klar definiert und auch Grenzen gezogen werden. Um Pekings Interessen und Vorgehen realistisch einschätzen und eigene Handlungsoptionen formulieren zu können, brauche es drittens mehr China-Expertise und eine intensive Strategiediskussion.

Das Gesprächsformat war in mehrerlei Hinsicht eine Premiere: Nach der Umstrukturierung des bislang sechsmonatigen Seminars für Sicherheitspolitik finden 2016 erstmals das dreiwöchige Führungskräfteseminar und das dreimonatige Kernseminar statt. Das im Februar gestartete Intensivseminar für Führungskräfte, welches mit Spitzenpersonal staatlicher und nichtstaatlicher Institutionen sowie der Wirtschaft besetzt ist, widmet sich in seiner ersten Auflage dem Schwerpunkt Asien. Der Arbeitskreis Junge Sicherheitspolitiker, dem Nachwuchskräfte aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Kirche angehören, wurde 2015 mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Vernetzung von „Young Professionals“ im Bereich der Sicherheitspolitik zu fördern. Der Diskussionsabend gab den ausgewählten Führungs- und Nachwuchskräften erstmals die Möglichkeit, sich inhaltlich auszutauschen und dabei von Erfahrungswerten und neuen Blickwinkeln zu profitieren.

Autorin: Dr. Gerlinde Groitl