Ekkehard Brose zur militärischen Lage in der Ukraine

Dienstag, 25. Januar 2022

Der Präsident der BAKS Botschafter Ekkehard Brose vor einer TV Kamera
Der Präsident der BAKS Botschafter Ekkehard Brose vor einer TV Kamera
BAKS / Wagner

Im Interview auf WELT TV spricht BAKS-Präsident Botschafter Ekkehard Brose mit Stephanie Rahn über die aktuelle militärische Lage in der Ukraine, Forderungen Putins und die notwendige Deeskalation des Konflikts. Foto: BAKS / K. Wagner

Stephanie Rahn: Ich grüße Sie Herr Brose.

Botschafter Ekkehard Brose: Grüße Sie Frau Rahn.


Wie bewerten Sie die aktuelle militärische Lage in der Ukraine?

Also, wenn ich versuche, mich in die ukrainischen Schuhe zu stellen, dann ist das bedrohlich was da passiert. Russland hat in einem Halbkreis um die Ukraine seine Truppen mit über 100.000 Mann aufgestellt. Vom Norden, Richtung Kiew bis zum Süden, der Krim und die Ukraine muss sich dadurch bedroht fühlen. Und auch wir können nicht anders, als das als eine Drohgeste zu interpretieren.


Egal von welcher Seite man das betrachtet, es steht immer wieder die Frage im Raum: Was möchte Putin? Wie würden Sie die Strategie Putins und die Absichten Russlands beschreiben? Da ist ja sogar von Putschfällen die Rede, die in Russland angeblich angezettelt werden.

Ein wesentliches Merkmal der russischen Strategie, der Strategie Putins, ist es, uns nicht ganz genau zu sagen, was er eigentlich will. Eine gewisse Unsicherheit wird bewusst offengelassen. Ich interpretiere das, was ich lese, das, was ich höre von Putins Seite so, dass er nicht einverstanden ist mit dem Ergebnis in Europa, dass sich nach dem Ende des Kalten Krieges eingestellt hat: Die Erweiterung der EU, der NATO und natürlich auch der Auflösung der Sowjetunion und des Warschauer Paktes. Aber das sind Ergebnisse, die jetzt nun mal so sind und die nicht einfach revidiert werden können, weil Präsident Putin sich das so überlegt hat.


Aber immerhin wird gerade gesprochen. Auf der diplomatischen Ebene geschieht sehr viel. Wie schätzen Sie das ein, wie lässt sich eine Eskalation des Konfliktes vermeiden, ohne dass der Westen sich von Putin erpressen lässt?

Genau das ist der schwierige Ritt auf dem Kamm. Einerseits Deeskalation, man redet miteinander und das ist auch richtig und notwendig. Putin hat schriftliche Forderungen formuliert, auf die der Westen, die USA, die NATO antworten müssen. Andererseits, das haben wir gerade auch besprochen, droht Putin uns. Auch darauf muss man antworten. Das tut man am besten durch Abschreckung. Also die Androhung, dass eine Grenzüberschreitung Putins oder der Einsatz seiner Streitmacht eine Reaktion auf unserer Seite hervorrufen wird. Wirtschaftliche Reaktionen und andere Reaktionen, die wir nicht im Einzelnen ausbuchstabieren müssen. Auch wir sollten ihn in einer gewissen Unsicherheit lassen.


Hat der Westen und auch die EU derartige Drohmittel in der Hand, dass Russland das wirklich zu einem Einlenken, zu einer Rückbewegung bewegen könnte?

Darauf gibt es keine ganz eindeutige Antwort. Aber natürlich, Russland ist zum Beispiel wirtschaftlich eng verflochten mit uns, mit Europa, mit der Welt und ist daran interessiert, seine Mittel zu exportieren. Wenn es an dieser Front zu gravierenden Änderungen käme, würde das russische Interessen sehr wohl beeinträchtigen. Russische Banken operieren unter Nutzung der Systeme wie Swift und anderer. Wenn gegen russische Banken gewisse Blockademöglichkeiten genutzt würden, die durchaus bestehen, hätte das Auswirkungen. Also es gibt schon einiges, was man machen könnte, aber nicht alles davon muss jetzt ausbuchstabiert werden.


Lassen Sie uns noch kurz über die militärische Ausstattung der Ukraine sprechen. Wie schätzen Sie das ein, wie ist der aktuelle Zustand der Armee?

Kein Zweifel, die Ukraine kann nicht eine so mächtige Streitmacht ins Feld führen wie Russland. Russland ist eine Großmacht, die Ukraine nicht. Auf der anderen Seite sind die ukrainischen Streitkräfte über viele Jahre, auch mit Hilfe des Westens, sagen wir „professionalisiert“ und besser ausgerüstet worden und vor allem professioneller durchorganisiert als sie es in der Vergangenheit waren. Diese Streitkräfte sind auch für eine große Macht, wie die, die Putin dort versammelt hat, ein gewisses Hindernis. Immer dann, wenn es Ernst auf Ernst kommt, schießen Ukrainer auf Russen, Russen auf Ukrainer. Das ist beinahe wie ein Bruderkrieg. Ich glaube nicht, dass die russische Bevölkerung das wirklich quotieren wird.

Botschafter Ekkehard Brose. Ganz Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview ist hier online abrufbar.