Sylke Tempel posthum mit Karl-Carstens-Preis ausgezeichnet

Mittwoch, 18. April 2018

Wissenschaftlerin, Publizistin und vor allem besonnene Streiterin für die liberale Demokratie: Dr. Sylke Tempel ist durch den Freundeskreis der BAKS posthum mit dem Karl-Carstens-Preis der Bundesakademie für Sicherheitspolitik geehrt worden.

Im Historischen Saal der BAKS steht links eine Staffelei mit dem Porträt Sylke Tempels sowie einem Blumenstrauß. Rechts im Bild steht Verteidigungsministerin von der Leyen an einem Rednerpult.

Zahlreiche Angehörige, Freunde und Kollegen wohnten der posthumen Ehrung Sylke Tempels
im Historischen Saal der BAKS bei. Foto: BAKS/Mochow

Eine „Wanderin zwischen den Welten“ sei sie gewesen, so Brigadegeneral a.D. Armin Staigis - auf der einen Seite außen-und sicherheitspolitische Autorität, auf der anderen Seite Vermittlerin, die Hochkomplexes verständlich erläutert, sagte Vorsitzendes des Freundeskreises der BAKS anlässlich der posthumen Auszeichnung Sylke Tempels mit dem Karl-Carstens Preis. Nur wenige Wochen, nachdem Tempel im Herbst 2017 von ihrer bevorstehenden Auszeichnung erfahren hatte, war sie während eines Unwetters durch einen umstürzenden Baum ums Leben gekommen. Ausdrücklich sprach Staigis in seiner Einführung den Angehörigen Tempels seinen Dank aus, dass sie der posthumen Preisverleihung und der besonderen Würdigung ihres Lebenswerkes zugestimmt hatten.

Eine so scharfsinninge wie herzliche Orientierungsgeberin

Eine Frau spricht an einem Rednerpult, das ein Bundesadler ziert. Im Hintergrund ist die deutsche Fahne Berlins erkennbar.

Judith Hart nahm den Karl-Carstens-Preis für Sylke Tempel entgegen. Foto: BAKS/Mochow

Geboren in Bayreuth, studierte Sylke Tempel Politische Wissenschaften und Judaistik an der Universität München. 1992 promovierte sie an der Universität der Bundeswehr München über die Beziehungen der amerikanisch-jüdischen Organisationen zur Bundesrepublik Deutschland nach 1945. Sie war Nahostkorrespondentin der Woche und schrieb später als freie Autorin für zahlreiche Zeitungen. 2008 wurde Tempel Chefredakteurin der Zeitschrift Internationale Politik der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), deren Vorstand sie ebenfalls angehörte. Als Expertin für den Nahen Osten war sie zudem gefragter Gast in vielen TV-Runden, etwa bei Anne Will oder im Presseclub des WDR.

Sylke Tempel habe gezeigt, dass „Außen- und Sicherheitspolitik Spaß machen kann“, so Staigis. Scharfsinnig, eloquent und dabei stets zugewandt und herzlich habe sie „immer eine klare Position bezogen und uns damit Orientierung gegeben“. Tempels Eintreten für eine freiheitliche, offene Gesellschaft, geprägt von Demokratie und Gewaltenteilung, ebenso wie für eine deutsche Verantwortung innerhalb Europas und der Welt blieben besonders im Gedächtnis. Der Präsident der BAKS, Dr. Karl-Heinz Kamp, unterstrich Sylke Tempels „Klugheit, Kompetenz, Gelassenheit und Selbstbescheidung“. Sie sei eine herausragende Publizistin und überaus geschätztes Mitglied der deutschen sicherheitspolitischen Community gewesen. „Ich bin froh, Sylke Tempel gekannt zu haben und heute ihrer zu gedenken.“

Würdigung durch Bundesministerin von der Leyen

Eine Frau spricht an einem Rednerpult, das ein Bundesadler ziert. Im Hintergrund ist die deutsche Fahne aufgestellt, die Fahnen Europas und Berlins ebenfalls erkennbar.

Als "scharfsinnige Analytikerin und kluge Impulsgeberin" würdigte Verteidigungsministerin von der Leyen Sylke Tempel in ihrer Gedenkrede. Foto: BAKS/Mochow

Die Gedenkrede hielt die Bundesministerin der Verteidigung Dr. Ursula von der Leyen. Sylke Tempel habe „Außen-und Verteidigungspolitik geformt und erklärt“ und ihr Bilder gegeben, so von der Leyen. Ein hohes Maß an Schlagfertigkeit, Wissbegier und Herzlichkeit habe sie ausgezeichnet. Tempel sei somit „eine scharfsinnige Analytikerin und kluge Impulsgeberin“ gewesen. Die Ministerin hob besonders Tempels Engagement für die Förderung junger Frauen in der Sicherheitspolitik hervor. Daneben stellte von der Leyen Tempels Beteiligung am aktuellen Weißbuch zur deutschen Sicherheitspolitik heraus, der sie sich mit dem für sie typischen Elan angenommen habe. „Wir spüren den weiten Raum, den Sylke Tempel hinterlässt“ - ihr Lebenswerk allerdings bleibe und werde Kraft und Zuversicht geben, schloss die Verteidigungsministerin ihre Rede.

Entgegen nahm den Karl-Carstens-Preis Judith Hart, die Ehefrau Sylke Tempels. In ihren Dankesworten charakterisierte sie die Ausgezeichnete als entschlossene Kämpferin „für ein friedlich vereintes Europa und gegen das Erstarken populistischer Parteien“. Ihr sei es stets gelungen, komplexe Zusammenhänge anschaulich zu formulieren, ohne sie banal erscheinen zu lassen. Damit habe sie deutlich gemacht, dass „Außen-und Sicherheitspolitik nicht nur elitären Kreisen vorbehalten ist“.

Der Karl-Carstens-Preis ehrt besondere Verdienste um die Vermittlung von Sicherheitspolitik

Der Preis wurde im Beisein von Ministerin von der Leyen und BAKS-Präsident Kamp (rechts) durch den Vositzenden des Freundeskreises der BAKS Armin Staigis (links) überreicht. Foto: BAKS/Mochow

Der vom Freundeskreis der BAKS gestiftete Karl-Carstens-Preis wird durch die Bundesakademie für Sicherheitspolitik seit 1997 in einem eigentllich zweijährigen Rhythmus vergeben. Der nach dem 1979 bis 1984 amtierenden Bundespräsident Karl Carstens benannte Preis zeichnet Menschen aus, die sich im deutschsprachigen Raum um die öffentliche Vermittlung sicherheitspolitischer Zusammenhänge und des umfassenden Sicherheitsbegriffs besonders verdient gemacht haben. Über die Vergabe entscheidet der Vorstand des Freundeskreises der BAKS.

Autorin: Julia Schuster