Innenansichten: Kernseminar besucht Russische Botschaft

Montag, 29. Mai 2017

Syrien, Ukraine, russisch-amerikanisches Verhältnis: Die Diskussion des Kernseminars beim Besuch in der Botschaft der Russischen Föderation war breit gefächert. Die Seminarteilnehmerin Katrin Kubica schildert ihre Eindrücke aus dem Gespräch mit dem Gesandten Oleg Krasnitskiy. Ein Erfahrungsbericht.

Links im Bild steht der Sprecher des Kernseminars 2017 der BAKS und spricht zum Gesandten der Botschaft Russlands in Berlin Oleg Krasnitskiy, der, rechts im Bild stehend, seinen Blick zuwendet.

Gesandter Oleg Krasnitskiy (rechts) empfing das Kernseminar in der Botschaft Russlands.
Links im Bild der Sprecher des Kernseminars Andreas Backhoff. Foto: BAKS

Gespräche mit Botschaftsvertretern sind oftmals beeindruckend. Insbesondere dann, wenn sie in solch repräsentativen Räumen wie dem Spiegelsaal der russischen Botschaft Unter den Linden in Berlin stattfinden. Die Bandbreite der Themen war immens und erstreckte sich über Fragen der internationalen Ordnung, der Rolle der Medien in der internationalen Politik, das Verhältnis Russlands gegenüber den USA, der Europäischen Union sowie Deutschland bis hin zur Situation in der Ukraine und der drängenden Frage „Wie weiter in Syrien?“.

Perspektivwechsel als Methode der internationalen Politik

Das Foto zeigt den zentralen Eingang und darüberliegenden Turm der Botschaft Russlands in Berlin.

Tausende Menschen passieren täglich den Eingang zur Botschaft Russlands Unter den Linden. Wieviele gehen auch hinein? Foto: PercyGermany/flickr/CC BY-NC-ND 2.0

Die Welt ist aus den Fugen geraten. Darauf hat der jetzige Bundespräsident und Außenminister a.D., Frank-Walter Steinmeier, in den vergangenen Jahren zu recht mehrmals verwiesen. Wir, die Teilnehmer des diesjährigen Kernseminars der BAKS, hatten bereits in den vergangenen Wochen mehr Fragen als Antworten aufgetan. Im Gespräch mit dem russischen Gesandten wurde dann abermals deutlich, wie viel es zu lernen und auch zu verstehen gilt. Dass es auf komplexe Fragen der internationalen Politik keine einfachen Antworten gibt, ist bereits dem geneigten Zeitungsleser bewusst. Dass aber Lösungsvorschläge für Konflikte, Nicht-Handeln oder anderes staatliches Agieren in hohem Maße von der Wahrnehmung und Perspektive des jeweiligen Akteurs abhängen, vielleicht nicht. Zu häufig halten wir unsere Sichtweise für die richtige – und damit einzig mögliche.

Das Gespräch mit dem russischen Gesandten war in vielerlei Hinsicht aufschlussreich und vieles werden wir, auch über das Kernseminar hinaus, mitnehmen:

Erstens, die Gewissheit, dass ein Miteinander zunächst ein bestmögliches Verstehen des Gegenübers bedingt.

Zweitens, dass ohne ein Miteinander ein Einhegen oder gar nachhaltiges Lösen von Krisen und Konflikten des 21. Jahrhunderts nur schwer möglich sein werden.

Drittens: Es gibt einen globalen Wettbewerb um Ordnungsmodelle, um Ideen und Ideologien. Die Anerkennung dieser Tatsache hilft auch dem sogenannten „Westen“.

Viertens: Verschiedene Staaten können unterschiedliche Ansichten und Erklärungsmuster zum Zustand der Welt haben. Auch wenn uns manche näher sind als andere, gibt es vermutlich nicht „die eine Wahrheit.“

Fünftens: Dialog! Dialog! Dialog! Mit möglichst vielen und möglichst unterschiedlichen politischen Akteuren. Und zwar auf der viel bemühten „Augenhöhe“.

Sechstens: das Verhalten und die Wortwahl politischer Akteure sollten zu jeder Zeit ernst genommen werden. Auch wenn es auf den ersten und auch zweiten Blick willkürlich, irrational, unverständlich und ziellos erscheint. Oder gerade dann.

Fazit

Dies war einer von vielen Gesprächsterminen in und außerhalb der BAKS, die es uns noch bis Ende Juni ermöglichen werden, unseren Blick zu weiten und die Perspektive mehr als einmal zu wechseln. Vor diesem Hintergrund kann das Ziel des Kernseminars 2017 auch dann erreicht werden, wenn am Ende vieles unklar bleibt. Denn es gilt, Fragen zu stellen. Antworten geben kann (fast) jeder!

Autorin: Katrin Kubica