Indien, Pakistan und darüber hinaus: Führungskräfte und junge Sicherheitspolitiker diskutieren regionale Entwicklung

Mittwoch, 14. März 2018

Vor seiner Studienreise nach Pakistan und Indien traf das Führungskräfteseminar den Arbeitskreis „Junge Sicherheitspolitiker“ der BAKS zu einer Diskussion über mögliche Entwicklungsszenarien für den indischen Subkontinent.

Zahlreiche Menschen drängen sich durch eine überfüllte Marktgasse in Indien

Wohin entwickeln sich die Gesellschaften auf dem indischen Subkontinent? - Nur eine der Fragen, die das Führungskräfteseminar und den Arbeitskreis "Junge Sicherheitspolitiker" beschäftigten (Bild: Straßenszene im indischen Chennai). Foto: McKay Savage/Wikimedia/CC BY 2.0

Wie wird sich die Region um Indien, Pakistan, Afghanistan und darüber hinaus in Zukunft entwickeln? Kann der indisch-pakistanische Konflikt um Kaschmir beigelegt werden? Und welchen Einfluss nehmen internationale Mächte wie die USA und China vor Ort? Als Impuls zum Gedankenaustausch mit den hochrangigen Teilnehmern des Führungskräfteseminars stellten vier Mitglieder des Arbeitskreises „Junge Sicherheitspolitiker“ zunächst mögliche Entwicklungs-szenarien für den indischen Subkontinent vor.

Szenarien als Anstoß zur Debatte

Sebastian Feyock ging in seiner Ausführung auf eine mögliche Eskalation lokaler Konflikte ein. Zwar könnten in Pakistans Nachbarstaat Afghanistan durch den Druck Chinas Tendenzen einer Stabilisierung erreicht werden, so Feyock. Doch gebe es zugleich Anzeichen dafür, dass in der Kaschmirregion eine Eskalation des bestehenden Konflikts zwischen Indien und Pakistan drohe. Aufbauend auf diesem Szenario zeigte Ingmar Zielke in seinem Statement Möglichkeiten der Annäherung zwischen Pakistan und Indien auf. Ein wesentlicher Schlüssel zur Annäherung könnte dabei der auf chinesischen Investitionen fußende China-Pakistan-Economic-Corridor sein. Die daraus entstehenden Handelsmöglichkeiten und der Einfluss Pekings könnten eine stabilisierende Wirkung auf Pakistan haben. Allerdings wäre dafür auch eine Entspannung der Beziehungen zwischen China und Indien erforderlich, die sich als Konkurrenten wahrnehmen.

Drei geschäftlich gekleidete Männer sitzen an einem Konferenztisch und sprechen miteinander.

BAKS-Präsident Dr. Karl-Heinz Kamp (Mitte), Seminarleiter Oberst i.G. Peter Härle (rechts) und Arbeitskreis-Vorsitzender Christian Klein (links) im Gespräch mit den Diskussionsteilnehmern.
Foto: BAKS/Wagner

Corinna Blutguth sah in ihrem Szenario zwar Wege zur Reduzierung des Konfliktpotentials, beispielsweise auf pakistanischer Seite in einer Kurskorrektur bezüglich der Unterstützung der Taliban in Afghanistan. Dennoch skizzierte sie die Rivalitäten zwischen den Konfliktparteien als derart verfahren, dass kurzfristig ohne einen Game-Change – etwa in Form neuer Vermittlungsanreize durch einen Drittstaat – eine Beibehaltung des Status Quo am wahrscheinlichsten sei. Das vierte Szenario schilderte Kathleen Böhme, die den Schwerpunkt auf die Auswirkungen des Klimawandels in der Region legte. So drohe Bangladesch, in den kommenden Jahren durch einen Anstieg des Meeresspiegels einen Großteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche zu verlieren. Die daraus resultierenden Migrationsbewegungen im Land selbst und in die Nachbarstaaten hätten soziale Spannungen und erhebliches Konfliktpotenzial für den indischen Subkontinent zur Folge.

Relevanz für Deutschland und Europa betont

Aufbauend auf den Impulsvorträgen entwickelte sich im Anschluss eine Diskussion zu den kurz- und mittelfristigen Entwicklungsmöglichkeiten in der Region. Auch wenn die Realisierungschancen einzelner Szenarien unterschiedlich bewertet wurden, waren sich alle Teilnehmer über den globalen Einfluss dieser Region – auch auf Deutschland und Europa – einig. Im Anschluss an die Diskussion führte Bernd Schaller, Militärdekan des Katholischen Militärbischofsamtes in Berlin und Gastgeber des Abends, seine Gäste in die hauseigene Kapelle. Dort erläuterte er die Aufgaben der militärischen Seelsorge und ermöglichte den Teilnehmern in der Kapelle einen Moment der Ruhe.

Sieben geschäftlich gekleidete Personen sitzen an einem Konferenztisch und hören aufmerksam zu.

Militärdekan Bernd Schaller stellte freundlicherweise die Räume des Katholischen Militärbischofamts in Berlin-Mitte zur Verfügung. Foto: BAKS/Wagner

Bereits zum vierten Mal trafen sich im Rahmen dieses Diskussionsformats die Teilnehmer des BAKS-Führungskräfteseminars und die Mitglieder des Arbeitskreises „Junge Sicherheitspolitiker“. Beide Seiten nutzten diese Gelegenheit zu intensiven Gesprächen und der Möglichkeit, von neuen Blickwinkeln und Erfahrungen zu profitieren. Das dreiwöchige Führungskräfteseminar für Sicherheitspolitik führt hochrangige Führungskräfte aus Staat, Wirtschaft und Gesellschaft zu einer ressortübergreifenden Auseinandersetzung mit einem zukunftsrelevanten sicherheitspolitischen Themenfeld zusammen – in diesem Jahr steht der indische Subkontinent im Fokus. Der 2015 gegründete Arbeitskreis „Junge Sicherheitspolitiker“ bezieht in Kooperation mit dem Freundeskreis der BAKS gezielt junge Fach- und Führungskräfte in die Arbeit der Bundesakademie ein und fördert ihre Vernetzung untereinander.

Autor: Tobias Lücke