Sommerkonferenz für Studierende: Einmal Minister sein

Dienstag, 2. Juni 2015

 

Wirtschaftsgipfel: Besprechung der „Wirtschaftsminister“ des Planspiels „Pol&IS“. Foto: BAKS

Am besten lernt man durch eigene Erfahrungen. Diesem Motto folgend nahmen 76 Studentinnen und Studenten an der „Sommerkonferenz“ der BAKS teil.

„Gerade versuche ich als Regierungschef Japans, mit dem Projekt ‚sustainable Japan‘ Zukunftsperspektiven in meinem Land zu verbessern“, sagte Matthias, der sich über ein Dokument beugt. Die Zeit drängt. Matthias steht unter Druck. Genauso wie ein echter Regierungschef. Denn er spielt nur eine Rolle in einer großen Simulation. Ein sicherheitspolitisches Rollenspiel sozusagen.

Vom 26. bis 28. Mai hat die Bundesakademie für Sicherheitspolitik gemeinsam mit dem Bundesministerium der Verteidigung erstmals die dreitägige „Sommerkonferenz – Sicherheitspolitik gestalten“ ausgerichtet. Matthias nahm an der Simulation „Pol&IS“ teil. In der Rolle des japanischen Premierministers gestaltete er internationale Politik mit. Auch die anderen Teilnehmer vertraten in ihren Funktionen als Staats- und Wirtschaftsminister, sowie als Vertreter von Presse und Verbänden ihre Interessen auf dem „internationalen Parkett“.

Ähnlich wie bei der bekannteren Simulation Model United Nations (MUN) wurden auch die Vereinten Nationen „gespielt“. Thematisch packten die Teilnehmer politische Probleme von Umweltverschmutzung über Ebola und Flüchtlingskrise bis hin zu Blauhelmeinsätzen der Vereinten Nationen an. Hierzu entwickelten die Studenten politische Programme,  mandatierten internationale Einsätze und balancierten gleichzeitig ihre Staatshaushalte aus. Entscheidungen wurden im Team getroffen und nach außen kommuniziert.

Zwei Studentinnen und ein Student diskutieren über Arbeitsnotizen.Japans Regierungschefin Verena Richter bespricht sich vor der UN-Generalversammlung mit ihrer Verteidigungsministerin und ihrem Wirtschaftsminister. Foto: Stefan Böttcher

Die Studierenden entwickelten politische Programme, mandatierten internationale Einsätze und balancierten gleichzeitig ihre Staatshaushalte aus.

Konflikte und deren Lösungen beeinflussten die Handlungen aller Spieler und formten so über zwei Tage einen sehr dynamischen Spielverlauf, der dennoch Raum ließ für Debatten, Diskussionen und kreative Lösungen. Für alle Teilnehmer wurde so neben Konfliktmanagement auch die Komplexität von Sicherheitspolitik auf globaler Ebene erfahrbar.

Bevor die Studentinnen und Studenten in die Welt der Simulation eintauchten, standen zwei Kurzvorträge mit anschließender Diskussionsrunde im Bundesministerium der Verteidigung auf dem Programm. Zuerst führte Brigadegeneral Carsten Breuer, der Beauftragte der Projektgruppe Weißbuch 2016, in die aktuelle Erstellung des neuen Weißbuches der Bundeswehr ein. Im Anschluss daran begrüßte die Staatssekretärin im Bundesministerium der Verteidigung, Katrin Suder, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerkonferenz. Die Staatssekretärin stellte sich in der von ihr angebotenen „Question&Answer“-Phase den kritischen Nachfragen der Studenten zu aktuellen Themen der Bundeswehr.

Am dritten und letzten Tag der Konferenz gab es ein „Hot Wash-up“ und Feedback zu der Simulation. Die betreuenden Jugendoffiziere gaben individuelle Feedbacks, zeigten Zusammenhänge zwischen Entscheidungen und deren Konsequenzen auf und gaben Tipps und Tricks zur Verbesserung der Rhetorik weiter.

Ein Student im Gespräch mit Torge Matthiesen aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und EntwicklungDavid Hoffmann, Wirtschaftsminister „Afrikas“, vertieft im Gespräch mit Torge Matthiesen, Afghanistan- und Pakistanexperte des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Foto: BAKS

Vier Kenner des Berliner „Maschinenraumes“ legten ihre sicherheitspolitischen Perspektiven dar.

Die Konferenz endete mit einer Podiumsdiskussion. Vier Kenner des Berliner „Maschinenraumes“, also der politischen Arbeitsebene der Hauptstadt, legten ihre sicherheitspolitischen Perspektiven dar. So stellten sich Dr. Julian Voje aus einem Abgeordnetenbüro, Torge Matthiesen aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Oberstleutnant i.G. Dr. Ekkehard Griep aus dem Verteidigungsministerium und Dr. Karl-Heinz Kamp von der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in der anschließenden Diskussion und beantworteten Fragen zu verschiedenen sicherheitspolitischen Themenkomplexen.

Neben Fragen zu den Waffenlieferungen an die Peschmerga im Konflikt mit dem „IS“ und dem Spannungsfeld zwischen Parlamentsvorbehalt – also der Notwendigkeit, deutsche Auslandseinsätze parlamentarisch zu mandatieren – und außenpolitischer Reaktionsfähigkeit der Bundesrepublik, interessierten sich die Studierenden insbesondere für den deutschen Umgang mit Cyber-Bedrohungen, Datenschutz und dem NSA-Skandal.

Autor: Benedikt Böhme