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Kamp: Eine nuklearwaffenfreie Welt ist eine Illusion

Friday, 20. May 2016

Die NATO werde das „nukleare Dossier“ wieder öffnen müssen, sagt Akademiepräsident Karl-Heinz Kamp. Russlands Provokation gegen den Westen verlange, die Nuklearfrage in der NATO zu überdenken.

Eine Atomrakete steht in einem unterirdischen Abschusssilo.

"Die NATO muss die Grundfrage neu erörtern, die da lautet: Wie schreckt man wen womit ab?“ Interkontinentalraketen, wie die hier gezeigte US-amerikanische vom Typ Titan II in einem unterirdischen Startsilo, bilden den Kern der nuklearen Abschreckung.
Foto: Steve Jurvetson/flickr/CC BY 2.0/Bildausschnitt

Die derzeitige nukleare Strategie der NATO bestehe auf zwei Annahmen, erklärt der Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik im Interview mit der Zeitschrift Europäische Sicherheit & Technik: „Dass nämlich zum einen Russland ein Partner ist und Russland zum anderen seine sehr großen nuklearen Fähigkeiten nicht gegen die NATO richtet.“ Doch beides stimme nicht mehr. „Russland ist kein Partner mehr und hat dies auch selber erklärt“, sagt Kamp. Außerdem provoziere Russland den Westen regelmäßig mit simulierten Nuklearanschlägen gegen Schweden und Polen. „Das erfordert, dass sich die NATO der Nuklearfrage neu stellen muss.“

Dies bedeute nicht, dass man sich jetzt über Modernisierungen, neue Atomwaffen und neue Fähigkeiten Gedanken machen müsse. „Aber die NATO muss die Grundfrage neu erörtern, die da lautet: Wie schreckt man wen womit ab?“, so Kamp weiter. Definitiv sei vom Tisch, „dass es irgendwann eine nuklearwaffenfreie Welt geben wird.“

Der Präsident der Bundesakademie äußerte sich auch zum nächsten NATO-Gipfel, der Anfang Juli in Warschau stattfindet. Entscheidungen, die dort getroffen würden, „werden noch einmal über das hinausgehen, was sich Moskau wohl in seinen kühnsten Träumen nicht negativ hat vorstellen können“ - bis hin zur Verlegung amerikanischer Streitkräfte. Zunächst werde es um die zahlenmäßige Zunahme von Personal, von Übungen und von Verfahren gehen, um die Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeit wiederherzustellen. Doch diese Maßnahmen kosten Geld. Kamp begrüßt daher, „wie pragmatisch und unaufgeregt Deutschland auf die neue Situation reagiert.“

Das Interview finden Sie hier zum Nachlesen im Download.

Autorin: Sira Thierij