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Kernbestandteil trotz Kürzung: Ministerin Alabali Radovan zur Entwicklungspolitik

Monday, 9. March 2026

Am 5. März 2026 sprach Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan an der BAKS über den strategischen Nutzen und die Neuausrichtung deutscher Entwicklungspolitik in einer Zeit globaler Umbrüche und gekürzter Haushaltsmittel.

 

„Sicherheit beginnt dort, wo Staaten funktionieren, wo Regierungen liefern, wo Kinder zur Schule gehen können“, sagte Bundesministerin Reem Alabali Radovan zum Auftakt des Sicherheitspolitischen Gesprächs am 5. März. Die Diskussion der Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit BAKS-Präsident Generalmajor Wolf-Jürgen Stahl fällt in eine Zeit globaler Umbrüche: Regelbasierte Weltordnung und freier Handel seien in Frage gestellt, so die Ministerin, während die Staaten des globalen Südens selbstbewusster und mit starkem Gestaltungsanspruch aufträten. „In dieser Welt werden Verlässlichkeit und Vertrauen zu einer harten Währung – genau hier liegt die Stärke deutscher Entwicklungspolitik“, hielt Alabali Radovan fest.

Entwicklung als Kernbestandteil der Sicherheitsarchitektur

Bundesministerin Reem Alabali Radovan spricht an der BAKS gestikulierend in ein Mikrofon; rechts von ihr ist die Flagge der Europäischen Union zu erkennen.
Defence, Diplomacy, Development: Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan betonte die "Drei Ds"  integrierter Sicherheitspolitik. Foto: BAKS

Dabei stellte die Ministerin das Zusammenwirken mit anderen Politikfeldern im Sinne integrierter Sicherheit heraus: „Militärische Stärke allein schafft keine nachhaltige Sicherheit, keine langfristige Stabilität – dafür braucht es die ‚Three Ds‘ der Sicherheitspolitik – den Dreiklang aus defence, diplomacy und development.“ Alabali Radovan verwies auf den Irak nach der Gewaltherrschaft der Terrororganisation IS. Dort habe Diplomatie den Dialog zwischen der Zentralregierung und dem besonders betroffenen Norden des Landes gestärkt. Entwicklungszusammenarbeit habe den „Wiederaufbau von Schulen, Krankenhäusern und kommunaler Verwaltung“ vorangebracht und Menschen bei der Bewältigung ihrer Traumata unterstützt. Diese Erfolge seien wiederum möglich, weil die Bundeswehr dort im Einsatz ist und irakische Sicherheitskräfte ausbilde und professionalisiere, um so „den nötigen Schutzraum für zivile Instrumente“ zu schaffen.

Als weiteres Beispiel nannte sie die entwicklungspolitische Unterstützung Deutschlands für die Ukraine. Auch diese trage dazu bei, dass der ukrainische Staat trotz der schwierigen Situation durch den Krieg handlungsfähig bleibe, dass Wirtschaft und Infrastruktur weiter funktionierten, und dass Binnenvertriebene Perspektiven erhalten. „Im Irak und in der Ukraine sehen wir: Entwicklungszusammenarbeit ist kein moralischer Luxus – sie ist strategischer Kernbestandteil unserer Sicherheitsarchitektur“, so Alabali Radovan.

Deutschland trotz Kürzung Europas größter Geber

Bundesministerin Reem Alabali Radovan spricht mit BAKS-Präsident Generalmajor Wolf-Jürgen Stahl; im Hintergrund sind die Flaggen der EU, Deutschlands und Berlins erkennbar..
Deutsche Entwicklungspolitik solle "strategischer, fokussierter, partnerschaftlicher" werden, umriss Ministerin Alabali Radovan beim Gespräch mit BAKS-Präsident Generalmajor Wolf-Jürgen Stahl (r.) die bereits laufende Reform. Foto: BAKS

Zahlreiche westliche Staaten kürzen derzeit ihre Gelder für Entwicklungszusammenarbeit, darunter auch die Bundesrepublik. „Wir haben schmerzhafte Kürzungen im Haushalt“, stellte die Ministerin fest, betonte aber zugleich, dass Deutschland in Europa mit rund 10 Milliarden Euro weiterhin der größte Geber sei, was auch neue Gestaltungsräume eröffne: „Das bringt uns in eine neue Rolle. Die möchte ich erfüllen, indem wir strategischer mit am Tisch sitzen.“ Alabali Radovan möchte die deutsche Entwicklungspolitik auch deshalb neu ausrichten: „strategischer, fokussierter und partnerschaftlicher“, umriss die Ministerin die Ziele der bereits laufenden Reform. So solle in der Entwicklungszusammenarbeit zum Beispiel klarer differenziert werden, ob der Partner eine aufstrebende Volkswirtschaft oder ein least developed country ist. Mehr Fokussierung betreffe beispielweise eine Konzentration auf bestimmte Regionen. So würden mit Blick auf Felder wie Stabilität und Fluchtursachen die Schwerpunkte auf den Nahen Osten, Nordafrika, das Horn von Afrika und den Sahel gelegt – „Kurz: auf die Regionen, die zentral sind – auch für unsere Sicherheit.“ Mehr Partnerschaftlichkeit wiederum bedeute „Zusammenarbeit im gegenseitigen Interesse“. Staaten des globalen Südens seien nicht auf Abhängigkeiten aus, sondern auf gegenseitigen Nutzen und Vertrauen. Dies schließe auch und gerade ein, die Interessen Deutschlands noch klarer zu benennen – auch dies sei ein Zeichen von „Respekt und Augenhöhe“.

Das Sicherheitspolitische Gespräch an der BAKS bringt regelmäßig hochrangige Entscheidungsverantwortliche aus Politik, Behörden und sicherheitspolitischer Community mit weiteren Fachleuten und Interessierten an der BAKS zusammen. Zu den bisherigen Gästen zählen beispielsweise Boris Pistorius, Friedrich Merz und Finnlands Außenministerin Elina Valtonen. Alle Sicherheitspolitischen Gespräche sind hier als Video verfügbar.

Autoren: Redaktion