Münchner Sicherheitskonferenz: "Stimmungstest für die transatlantischen Beziehungen"

Donnerstag, 16. Februar 2017

Dr. Karl-Heinz Kamp,
Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik

Am 17. Februar beginnt die Münchner Sicherheitskonferenz. BAKS-Präsident Dr. Karl-Heinz Kamp sieht den Amtsantritt der neuen US-Administration als ein beherrschendes Thema der Konferenz.

Die Welt steht 2017 vor zahlreichen Krisen und Konflikten – welche Schwerpunkte sind bei der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz zu erwarten?

Kamp: Die Agenda ist immer eine recht breite, und sie wird in ihren Details erst zu Beginn bekannt gegeben. Dennoch gibt es oft ein beherrschendes Thema, ohne dass es im Programm ausgewiesen ist. In diesem Jahr ist das natürlich der mit Spannung erwartete Auftritt der US-amerikanischen Delegation, die von US-Vizepräsident Pence angeführt wird. Man möchte nach den widersprüchlichen und teilweise verstörenden Äußerungen des US-Präsidenten Trump wissen, was von den USA zu erwarten ist. Darüber hinaus reisen auch prominente Kritiker des US-Präsidenten, wie der einflussreiche Senator John McCain an – es wird also spannend sein, zu beobachten, wie sich die Amerikaner untereinander austauschen.

Im Vorfeld gab es aus den USA skeptische Äußerungen über die NATO. Wie werden die Vertreter der europäischen Staaten ihren amerikanischen Gesprächspartnern in München gegenübertreten?

Kamp: Die Konferenz ist immer auch ein Stimmungstest für die transatlantischen Beziehungen. Vermutlich wird sich an den sprunghaften Kommentaren und Entscheidungen von Präsident Trump zu internationalen Bündnissen und zur NATO im Besonderen nur wenig ändern. Die Europäer werden allerdings darauf verweisen, dass die USA nicht allein aus Solidarität oder Großmut in Europa präsent sind, sondern weil es auch ihren eigenen Interessen dient. Das amerikanische Engagement in der NATO ist die Grundlage für den politischen Einfluss der USA auf dem Kontinent. Und politischer Einfluss ist es, der den Status der USA als Supermacht begründet. Schauen Sie sich demgegenüber Russland an: Dieser Staat verfügt zwar über tausende nukleare Sprengköpfe, nicht aber über gewichtige Verbündete, und macht seinen Einfluss nun gewaltsam geltend. Diese Zusammenhänge müssen der neuen US-Administration klar werden.

Was macht die Münchner Sicherheitskonferenz so besonders?

Kamp: Die Konferenz hat sich von dem 1963 gegründeten geschlossenen Kreis von Sicherheitsexperten zum weltweit größten Diskussionsforum von Staatschefs, Ministern und sicherheitspolitischen Entscheidern entwickelt. Die zahlreichen Gespräche finden dann nicht nur auf der Konferenz selbst, sondern auf bei sehr vielen bilateralen Treffen am Rande statt, für welche die Gesprächspartner ansonsten größere Reisen auf sich nehmen müssten. Letztlich – auch das gehört dazu – ist sie zudem auch oft eine Plattform für theatralische Auftritte: Man erinnere sich an den legendären Schlagabtausch zwischen US-Verteidigungsminister Rumsfeld und Bundesaußenminister Fischer vor dem Irakkrieg Anfang 2003.

Interview: Sebastian Nieke